Vom 16.-17. November 2012 findet der interdisziplinäre Kongress zur Meditations- und Bewusstseinsforschung in Berlin statt.
Vom 26.-27. November 2010 fand der von der Oberberg Stiftung Matthias Gottschaldt gemeinsam mit der
Identity Foundation organisierte erste Interdisziplinäre Kongress zur
Meditations- und Bewusstseinsforschung im Atrium der Deutschen Bank in
Berlin statt. Wie wichtig und vor allem relevant diese erste interdisziplinäre
Gesamtschau in Deutschland ist, zeigte sich an der starken Resonanz, die
der Kongress fand, denn mit 500 Teilnehmern war die Veranstaltung
restlos ausverkauft. Das Interesse war so groß, dass zum Anmeldungsende hin sogar
vereinzelt Absagen erteilt werden mussten. Wir bitten ausdrücklich um
Entschuldigung für entstandene Unannehmlichkeiten und werden die
Organisation des bereits geplanten nächsten Kongresss optimieren.
Der nächste Kongress „Meditation &
Wissenschaft 2012“ wird am 16./17. November 2012 in Berlin stattfinden.
Die Vortragsfolien des Kongresses sind online hier verfügbar. Die Vorträge als Audio und Video werden dort ebenfalls kostenlos zur Verfügung gestellt.
Zu einigen Pressestimmen und zur Bildergalerie gelangen Sie hier.
Ein Meilenstein der Bewusstseinsforschung
Seit
mehreren Jahrzehnten tastet sich die akademische Bewusstseinsforschung
an das Thema Meditation heran und eruiert, welche grundlegenden
Prinzipien und Wirkungsweisen für die in den verschiedenen spirituellen
und kulturellen Traditionen vermittelten Achtsamkeitspraktiken zentral
sind. Die zahlreichen renommierten Wissenschaftlern des Kongresses
zeigten in ihren Beiträgen auf, wie Neurowissenschaften, Psychologie,
Medizin, Philosophie und Religionswissenschaft aus ihren
unterschiedlichen Blickwinkeln eine Gesamtperspektive entwickeln, die
sowohl der mystischen Dimension spiritueller Praxis gerecht wird als
auch Wege aufzeigt, die positiven Wirkungen von Meditation im Rahmen
eines rational-modernen Welt- und Menschenbildes zu integrieren.
So beschrieb Prof. Dr. Dieter Vaitl (Direktor des Bender Institute of
Neuroimaging der Universität Gießen), wie die Wissenschaft in den
letzten Jahrzehnten mit zahlreichen Grundlagenstudien eine Brücke baute
zur Objektivierung spiritueller Phänomene. Dr. Ulrich Ott (Bender
Institute of Neuroimaging, Universität Gießen) und Dr. Britta Hölzel
(Massachusetts General Hospital and Harvard Medical School, Boston)
zeigten auf, welche nachweisbaren Spuren Meditation im Gehirn
hinterlässt. Prof. Dr. med. Tobias Esch (Studiengang der Integrativen
Gesundheitsförderung, Hochschule Coburg, Neuroscience Research
Institute, State University of New York), Prof. Dr. med. Götz Mundle
(Ärztlicher Geschäftsführer Oberbergkliniken und Chefarzt der
Oberbergklinik Berlin/Brandenburg) und Prof. Dr. Stefan Schmidt (Leiter
der Akademischen Sektion Komplementärmedizinische Evaluationsforschung,
Universitätsklinikum Freiburg) beleuchteten medizinische Wirkungen von
Meditation, die von der Stärkung des Immunsystems vermittels zellulärer
Mechanismen über die Verbesserung der Resilienz bei chronischen
Schmerzpatienten bis hin zur Entwicklung innovativer Therapiekonzepte
bei der Behandlung in Feldern wie Sucht und Burn-out reichen.
Der Philosoph Prof. Dr. Thomas Metzinger (Philosophisches Seminar der
Johannes-Gutenberg-Universität Mainz) und der Religionswissenschaftler
Prof. Dr. Michael von Brück (Ludwig-Maximilians-Universität München,
Interfakultärer Studiengang Religionswissenschaft) unterzogen die
Bewusstseinstheorien der spirituellen Traditionen einer kritischen
Betrachtung und zeigten neue Verstehensperspektiven auf, die es
ermöglichen, Meditation als konstruktive Kulturtechnik in die
alltägliche Lebenswelt zu integrieren. Prof. Dr. Tania Singer
(Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig)
griff diesen Faden mit ihren Forschungen zur Empathieentwicklung auf und
illustrierte die Relevanz von Einfühlung und Mitgefühl in modernen
Gesellschaften. Auch Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach (Institut für
Transkulturelle Gesundheitswissenschaften, Europa Universität Viadrina,
Frankfurt Oder) spannte einen Bogen zur Praxis und stellte zwei Projekte
vor, welche die positiven Impulse von Meditation beim Stressmanagement
in Universität und Arbeitswelt illustrierten.
Dr. Peter Malinowski (School of Natural Sciences and Psychology,
Liverpool John Moores University, Liverpool, UK) schließlich plädierte
für ein neues Konzept des Wohlergehens, das psychische Balance nicht
allein an der Abwesenheit von seelischen Störungen festmacht, sondern
Achtsamkeitspraktiken als Weg zur Entfaltung des vollen menschlichen
Potenzials positioniert. Den Weg zur Praxis wies der Benediktiner und
Zen-Meister Willigis Jäger ganz konkret mit der von ihm entwickelten
Perspektive der West-Östlichen Weisheit, die sich als Übungsweg
versteht, der Mystik und Alltag konstruktiv verbindet.
In der von Gert Scobel moderierten Panel-Diskussion, an der neben den
Wissenschaftlern auch der Journalist Ulrich Schnabel (Die Zeit)
teilnahm, der seit Jahren die Meditationsforschung aus einer
Metaperspektive publizistisch begleitet, zeigte sich, wie sich die
Impulse der verschiedenen Fachdisziplinen zu einem Gesamtbild verdichten
und gesellschaftliche Geltungskraft beanspruchen.
Dr. med. Edda Gottschaldt (Medizinische Leiterin Oberbergkliniken,
Stifterin Oberberg Stiftung Matthias Gottschaldt, Gründerin Oberberg
Akademie) vertrat als Ärztin die praktische Seite der Meditation und die
der Gefühle. Sie stellte die Anerkennung dessen, was ist in den Fokus,
verlangte unangenehme Dinge anzuschauen und anzunehmen bevor Heilung
geschehen könne. So könne man zu einer nüchternen Erkenntnis der Welt
kommen. Man gehe aus der Wertung heraus und nehme die Welt so, wie sie
ist.
Übersicht Redner Meditation & Wissenschaft 2010
Prof. Dr. Dieter Vaitl
Director Bender Institute of Neuroimaging, Universität Gießen
Dr. Ulrich Ott
Bender Institute of Neuroimaging, Universität Gießen
Prof. Dr. med. Tobias Esch
Hochschule Coburg, Neuroscience Research Institute, State University of New York
Prof. Dr. Tanja Singer
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Dr. Peter Malinowski
School of Natural Sciences and Psychology, John Moores University, Liverpool
Dr. Britta Hölzel
Massachusetts General Hospital und Harvard Medical School, Boston, USA
Willigis Jäger
Benediktiner und Zen-Meister, Willigis Jäger Stiftung
Prof. Dr. Stefan Schmidt
Leiter der Akademischen Sektion Komplementärmedizinische Evaluationsforschung, Universitätsklinikum Freiburg
Dr. med. Edda Gottschaldt
Medizinische Leiterin der Oberbergkliniken, Stifterin der Oberbergstiftung, Gründerin der Oberberg Akademie
Prof. Dr. med. Götz Mundle
Ärztlicher Geschäftsführer der Oberbergkliniken und Chefarzt der Oberbergklinik Berlin/Brandenburg
Prof. Dr. Dr. phil. Harald Walach
Institut für Transkulturelle Gesundheitswissenschaften Europa Universität Viadrina, Frankfurt
Prof. Dr. Thomas Metzinger
Philosophisches Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
Prof. Dr. Michael von Brück
Ludwig-Maximilians-Universität München
Paul J. Kohtes
Management-Coach, Zen-Lehrer
Ulrich Schnabel
Journalist, Die ZEIT