Diese Webseite verwendet Cookies. Durch die Einstellung in Ihrem Browser können Sie der Annahme zustimmen oder diese ablehnen. Weitere Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.


Untersuchungen zum Einfluss von Medien auf den Tabak- und Alkoholkonsum von Kindern und Jugendlichen


Dr. phil. Matthis Morgenstern
Preisträger des Wilhelm Feuerlein Forschungspreises 2012 zur Bevölkerungsepidemiologie 

Der Konsum von Tabak und Alkohol gehört zu den bedeutendsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Es handelt sich bei beidem um erlernte Verhaltensweisen, die in der Regel erstmalig im Jugendalter auftreten. Der Beginn des Konsums ist vornehmlich durch die soziale und materielle Umwelt bestimmt und Medien stellen einen bedeutenden Umweltfaktor dar.

Bei vorliegender Arbeit handelt es sich um eine Zusammenstellung von sechs Originalarbeiten, die den Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit bestimmten Medieninhalten und dem Konsum von Tabak und Alkohol im Jugendalter untersuchen. Vier Studien beziehen sich dabei auf kommerzielle Werbung für Tabak und alkoholhaltige Getränke, zwei Studien stammen aus Forschungsarbeiten zum Einfluss des Tabak- und Alkoholkonsums von Schauspielern in Filmen.

In den Studien zu kommerzieller Werbung wurde bei einer Stichprobe von 6.- bis 8.-Klässlern (n = 3.415; mittleres Alter zur Eingangserhebung: 12,5 Jahre) die Exposition mit Tabak- und Alkoholwerbung erfasst und betrachtet, ob es einen Zusammenhang zum eigenen Konsum von Tabak und Alkohol gibt. Die Werbeexposition wurde mittels einer cued-recall Methode gemessen, bei der die Jugendlichen die Sehhäufigkeit und den Inhalt einzelner Werbungen erinnern sollten. Sowohl in den querschnittlichen (Studien 1 und 2) als auch in den längsschnittlichen Analysen (Studien 3 und 4) zeigte sich ein robuster positiver Zusammenhang zwischen der Expositionshöhe und verschiedenen Konsumvariablen, darunter der jemalige Konsum von Tabak und Alkohol und das jemalige Binge Drinking.

Die Zusammenhänge waren unabhängig von soziodemografischen und persönlichen Merkmalen der Jugendlichen und unabhängig vom Tabak- und Alkoholkonsum des unmittelbaren sozialen Umfeldes. DarĂĽber hinaus stellten sich die Zusammenhänge als inhaltsspezifisch heraus. Eine hohe Exposition mit Werbung fĂĽr andere Produkte korrelierte nicht mit dem Tabak- und Alkoholkonsum der Jugendlichen. Es zeigte sich ferner, dass höhere Exposition mit Alkoholwerbung zu positiveren Einstellungen gegenĂĽber Alkohol im Allgemeinen fĂĽhrt und zumindest ein Teil der Wirkung der Alkohol- werbung auch tatsächlich ĂĽber diese Einstellungsveränderungen erklärt werden kann.

Der Zusammenhang zwischen der Exposition mit Tabak- und Alkoholkonsum in Spielfilmen und dem Konsumverhalten von Jugendlichen wurde in einer europäischen Sechs-Länder- Studie mit insgesamt 16.551 SchĂĽler/innen (Durchschnittsalter 13,4 Jahre) untersucht. Es zeigte sich sowohl fĂĽr den jemaligen Tabakkonsum als auch fĂĽr das jemalige Binge Drinking der Jugendlichen ein positiver Dosis-Wirkungs-Zusammenhang mit der Zahl der gesehenen Tabak- bzw. Alkoholszenen. Diese Zusammenhänge zeigten sich in allen sechs Studienzentren, unabhängig kulturbedingter Unterschiede. Ă„hnlich wie bei den Werbestudien erwiesen sich die Zusammenhänge auch hier als inhaltsspezifisch. Eine hohe Filmexposition im Allgemeinen stand nicht mit dem Tabakkonsum der Jugendlichen in Zusammenhang, d.h. die Zahl der gesehenen Tabakszenen zeigte nicht lediglich an, welche SchĂĽler/innen eine generell hohe Filmexposition haben. Bei der simultanen Betrachtung der Exposition mit Tabak- und Alkoholszenen ergab sich zudem, dass die Häufigkeit des Binge Drinking nur mit den Alkoholszenen, nicht jedoch mit den Tabakszenen assoziiert war.

Zusammengenommen geben die Befunde weitere Hinweise darauf, dass sowohl der Kontakt mit direkter Werbung für Tabak und Alkohol als auch der Kontakt mit filmisch dargestelltem Gebrauch von Tabak und Alkohol bedeutende Einflussfaktoren des Tabak- und Alkoholkonsums bei Jugendlichen sind. Eine Verringerung der Exposition und der Versuch einer Immunisierung von Jugendlichen gegenüber der Expositionswirkung erscheinen damit als mögliche Wege der Verhinderung bzw. Verzögerung des Tabak- und Alkoholkonsums bei Jugendlichen.